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Ambulant betreute Wohngemeinschaft für pflegebedürftige Menschen mit einer psychischen Erkrankung
Das Privatleben selbst gestalten. Sich mit Familie, Freunden und Bekannten treffen und unterhalten. Für einen gesunden Menschen vollkommen normaler Alltag. In Wohnungsnähe Freizeit- und Einkaufsmöglichkeiten vorzufinden – für einen gesunden Menschen selbstverständlich. So normal und selbstverständlich, dass man sich darüber gar keine Gedanken mehr macht.
Allerdings nicht für Menschen mit einer psychischen Erkrankung. Zumal dann, wenn sie pflegebedürftig sind. Für viele dieser Menschen bedeutet Normalität eher, in einem Heim zu leben und dort einem vorgegebenem Tagesrhythmus unterworfen zu sein.
Für Andere ist es oft selbstverständlich, alleine in der Wohnung zu leben, ohne weitere Kontakte außer zum ambulanten Pflegedienst, der regelmäßig vorbeischaut.
Normalität ist möglich
Das soll und kann sich ändern. Mit dem Einzug in eine ambulant betreute Wohngemeinschaft kommt Normalität ins Leben dieser Menschen. Sie können in ihrer Wohngemeinschaft ähnliche Erfahrungen wie gesunde Menschen machen. Dazu gehören Erfahrungen im alltäglichen Zusammenleben mit anderen Menschen ebenso wie das Erleben von Zugehörigkeit zu einer vertrauten Gruppe und der Umgang mit Konflikten. Dazu gehört auch die Teilnahme am Stadtteilleben.
Stiftung beschreitet neuen Weg
Aus dieser Erkenntnis heraus möchte die Stiftung Freundeskreis Ochsenzoll für psychisch erkrankte pflegebedürftige Menschen solche ambulanten Wohngemeinschaften aufbauen. Zu diesem Zweck hat sie eine Immobilie im Stadtteil Fuhlsbüttel erworben. Derzeit wird das Haus aufwändig umgebaut. Voraussichtlich im Frühjahr 2009 sollen die Mieterinnen und Mieter dann einziehen.
Mit dem Projekt beschreitet die Stiftung einen neuen Weg in der Betreuung psychisch kranker Menschen in Hamburg. Denn ambulante Wohngemeinschaften für pflegebedürftige psychisch kranke Menschen gibt es in Hamburg bisher noch nicht.
Ambulant betreute Wohngemeinschaft – was genau ist das?
Jedes Mitglied der Wohngemeinschaft lebt als Mieter in einem Einzelzimmer mit Dusche und WC. Dieser private Raum schafft die notwendige Intimität. Eine große und offene Wohnküche bildet den Mittelpunkt des Gemeinschaftslebens.
Zur Befriedigung des Unterstützungsbedarfs der Bewohner kommt täglich ein ambulanter Pflegedienst in die Wohnung.
Auf diese Weise sollen in dem Wohnhaus in Fuhlsbüttel insgesamt 3 Wohngemeinschaften mit je 8 Mieterinnen und Mietern entstehen. Da das Haus in einem normalen Wohngebiet liegt, sind Einkaufs- und Freizeiteinrichtungen gut zu erreichen. Eine Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr sichert den Mieterinnen und Mietern darüber hinaus die Teilhabe an innerstädtischen Angeboten und Aktivitäten.
Leitbild Familie
Die vorhandenen Fähigkeiten der Bewohnerinnen und Bewohner sollen durch die täglich anfallenden Arbeiten gestärkt oder wieder entdeckt werden. Die Arbeiten sind lebensnah, d.h. sie orientieren sich an den typischen Verrichtungen eines Mehr-Personen-Haushaltes. Dazu gehört einkaufen, kochen, waschen, reinigen, bügeln usw. Die Versorgung erfolgt dezentral. Auf diese Weise werden Selbstständigkeit und Selbstbestimmung gefördert und eine familienähnliche Situation erlebt.
Natürlich kann nicht alles selbst erledigt werden. Die Bewohnerinnen und Bewohner sind nicht plötzlich gesund, nicht plötzlich weniger pflegebedürftig. Sie benötigen auch weiterhin Hilfe und Pflege. Dafür sorgt ein ambulanter Pflegedienst, der mehrmals täglich in die Wohngemeinschaft kommt.
Aber die Wohngemeinschaft ermöglicht ein Leben mit anderen Menschen. Und jeder kann sich im Rahmen seiner Möglichkeiten daran beteiligen.
Und vielleicht irgendwann sagen: „Mit Anderen Freude am Leben haben? Das ist doch normal.“


